DIALOG IN DEN GEISTES- UND SOZIALWISSENSCHAFTENW NAUKACH HUMANISTYCZNYCH I SPOŁECZNYCH
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2.2.2026

Rita Süssmuth – In Gedenken

Prof. Dr. Rita Süssmuth war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Zeit und gleichzeitig auch moralische Instanz. Sie war eine couragierte Politikerin und Wissenschaftlerin mit hohen ethischen Ansprüchen, denen sie immer treu geblieben ist.

Sie wird in der Politik fehlen als Jeanne d‘Arc, die Demokratie, Freiheit, Menschen- und Frauenrechte bis zum Äußerten verteidigte. Dafür nahm sie oftmals den Widerstand und die Kontroverse mit Anderen, auch politisch Gleichgesinnten in Kauf. Viele gesellschaftliche Bewegungen hat sie in der Bundesrepublik mitgeprägt, egal ob es um Frauenrechte, die Akzeptanz von Aids Kranken oder die Integration von MigrantInnen ging, strebte sie danach, Vorurteile abzubauen und die Rechte von Benachteiligten zu stärken. Sie war Avantgarde für gesellschaftliche Veränderungen.

Rita Süssmuth wird nicht nur eine große Lücke als moralische Instanz in der Zivilgesellschaft hinterlassen, sondern auch im Deutsch-Polnischen Dialog. Bereits als Bundestagspräsidentin (1988-1998) hatte sie sich der Deutsch-Polnischen Versöhnung gewidmet. Durch Verlässlichkeit und Beharrlichkeit hat sie Vertrauen für uns Deutsche bei unseren polnischen Nachbarn zurückgewonnen. Bis kurz vor ihrem Tod engagierte sie sich unermüdlich für die Errichtung eines Denkmals und eines Gedenkortes im Herzen Berlins, der den sechs Millionen zivilen polnischen Opfern des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzungsherrschaft gewidmet ist.

Schwer erkrankt, reiste sie im Juli 2024 noch nach Danzig und eröffnete als Schirmherrin das Baltische Opernfestival in der Waldoper von Sopot auf Einladung des Initiators und Baritons Tomasz Konieczny. Sie nahm ihre Verpflichtungen auch im Ausland bis zum Schluss wahr.

Rita Süssmuth wirkte auf vielen Ebenen und in vielen Bereichen mit großem Engagement, in der Gesundheits-, Familen-, Frauen und Migrationspolitik, aber vor allem in der ihr vertrauten Wissenschaft. Gemeinsam mit dem früheren polnischen Außenminister Władysław Bartoszewski war sie vor 18 Jahren an der Gründung und dem Aufbau der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung (DPWS) maßgeblich beteiligt. Als langjährige Vorstandsvorsitzende und zuletzt Ehrenvorsitzende war sie bis zum Schluss der Stiftung verbunden und nahm noch im November 2025 an der Kuratoriumssitzung teil. Sie setzte sich sehr stark für den Ausbau der Kontakte zwischen Wissenschaftlern und Studenten ein.
Im Dezember 2022 bat sie mich, ihr Amt als Vorstandsvorsitzende zu übernehmen, in Kenntnis meiner starken Verbindungen und meiner Tätigkeit als Diplomatin in Polen. Gemeinsam trieben wir den Ausbau von Netzwerken in der Wissenschaft voran, haben die Verdreifachung von Forschungsanträgen, die finanzielle Stärkung von Sonderausschreibungen, den Ausbau der Geschäftsstelle und die verstärkte Kommunikation mit unseren Parlamenten erreicht.
Die DPWS ist längst ein Leuchtturm für Science Diplomacy und trägt mit der Wissenschaftsvernetzung und Forschungsförderung maßgeblich zur besseren Verständigung in den deutsch-polnischen Beziehungen bei.

Unsere Stiftung hat Rita Süssmuth viel zu verdanken. Ihr zu Ehren werden wir ein Symposium ins Leben rufen, um an ihr engagiertes Polen- und Osteuropaengagement zu erinnern und in „ihrem Geiste“ die bilateralen Wissenschaftsnetzwerke weiterhin auszubauen.

Die Stiftung spricht der Familie ihr aufrichtiges Beileid aus! In Gedanken sind wir in diesen schweren Tagen bei der Familie.

Cornelia Pieper, Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung,
Staatsministerin a. D., Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Danzig a. D.

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